Am 7. März 2026, am Vorabend des Samstags der 5. Woche der Großen Fastenzeit, dem Fest des Lobpreises der Allerheiligsten Gottesmutter (Akathistos-Samstag), zelebrierte Erzbischof Tichon von Rusa, Leiter der Berliner und Deutschen Diözese, die Matutin mit der Lesung des Akathistos an die Allerheiligste Gottesmutter in der Kathedrale der Auferstehung Christi in Berlin.

Seiner Eminenz konzelebrierten der Diözesansekretär und Domschlüsselträger, Erzpriester Michail Divakow, der Dekan des Ostbezirks, Erzpriester Georgij Antonjuk, Priester Maxim Judakow, Protodiakon Archil Tschchikwadse sowie Diakon Konstantin Lotichius.

Die vier Teile des Akathistos wurden vor der Ikone der Gottesmutter „Umilenie“ (Zärtlichkeit), vor der Ikone der Gottesmutter „Tichwinskaja“, anschließend vor der Ikone der Gottesmutter „Odigitria“ und schließlich vor der Pochaewer Ikone der Gottesmutter gelesen.

Am 28. März 2026, am eigentlichen Festtag, feierte Erzbischof Tichon von Rusa die Göttliche Liturgie in der Kirche des heiligen Sergius von Radonesch an der Diözesanresidenz in Karlshorst (Berlin).

Seiner Eminenz konzelebrierten Priester Oleg Beltek, Diakon Pjotr Bravermann (Hamburg) sowie Diakon Rostislav Ustimenko.

Während der inständigen Ektenie wurde ein Gebet für den Frieden dargebracht.

Nach dem Kommunionvers hielt Priester Oleg Beltek eine Predigt zum Thema des gefeierten Ereignisses:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Heute haben wir uns, Brüder und Schwestern, versammelt, um die Gottesmutter zu ehren, denn der heutige Tag wird als Akathistos-Samstag oder als Fest des Lobpreises der Allerheiligsten Gottesmutter bezeichnet. Dieses Fest wird in der Stille der Großen Fastenzeit begangen, und diese Stille hat ihren tiefen Sinn und ihre Geschichte. Das Fest entstand als Antwort auf die Sorgen und Gebete der Menschen, die nicht wussten, was der kommende Tag bringen würde.

Im 7. Jahrhundert, in Konstantinopel, als die Stadt von den Persern belagert wurde, versammelten sich die Menschen in den Kirchen und beteten Tag und Nacht. Unter ihnen war der Patriarch von Konstantinopel, Sergius, der eine Ikone der Gottesmutter entlang der Stadtmauern trug. So brachten die Menschen ihre Hoffnung und ihr Vertrauen vor Gott zum Ausdruck. Als die Gefahr vorüber war, bewahrte die Kirche die Erinnerung an diese Nacht. Diese Erinnerung fand ihren Ausdruck im Akathistos-Hymnus. Dabei entstand der Akathistos, den wir gestern gelesen haben, allmählich. Seine Grundlage war ein alter Kontakion zur Verkündigung, der mit dem Namen des heiligen Romanos des Meloden verbunden ist. Darin klingt bereits das Thema der Begegnung zwischen Gott und Mensch an. Später wurden dem Text die Anrufungen „Freue dich…“ hinzugefügt, die sich in einem rhythmischen Lob- und Gebetsgesang wiederholen.

Später, im 8. Jahrhundert, entstand das Kontakion „Der unüberwindlichen Heerführerin…“, das ebenfalls mit der Rettung Konstantinopels verbunden ist, möglicherweise nach der Belagerung durch die Araber. Es wurde in den Akathistos aufgenommen, und der gesamte Hymnus bewahrt die Erinnerung an die erfahrene Rettung und den Dank. Das Fest selbst formte sich im 9. Jahrhundert und wurde auf den fünften Samstag der Großen Fastenzeit festgelegt. In der Mitte des Fastenweges, wenn der Christ bereits eine Zeit der Aufmerksamkeit für sich selbst und sein Leben durchlaufen hat, bietet die Kirche dieses dankbare und lobpreisende Gebet an, in dem die Worte des Akathistos als Anruf erklingen: „Freue dich…“, und in diesen Worten eröffnet sich die Gegenwart Gottes im menschlichen Leben.

Die Allerheiligste Gottesmutter zeigt uns ein Beispiel für die Antwort des Menschen auf Gott, der den Menschen bewahrt und ihn zur Ganzheit führt. Wir suchen oft nach Klarheit und Sicherheit. Es ist uns wichtig zu verstehen, was geschieht und wohin wir gehen. Und in dieser Suche wird allmählich deutlich, dass der Glaube mit Vertrauen verbunden ist, mit der Fähigkeit, sich nicht zu verschließen, auch wenn vieles unverständlich bleibt. Diese Erfahrung ist jedem nahe, auch wenn sie nicht immer bewusst wahrgenommen wird. Im Leben bleiben viele Fragen, Entscheidungen werden ohne vollständige Gewissheit getroffen, und innere Zustände lassen sich nicht immer erklären. In solchen Momenten wird der Glaube zu einer besonderen Aufmerksamkeit für die Gegenwart Gottes, für das, was bereits in der Tiefe unseres Lebens geschieht. Manchmal zeigt sich das ganz einfach: in der Fähigkeit, nicht zu verhärten, sich nicht abzuwenden, offen zu bleiben – trotz Verzweiflung, Müdigkeit oder Angst – und als Antwort Freude hervorzubringen.

Die heilige Kirche nennt die Gottesmutter „Freude der ganzen Schöpfung“. Diese Freude wird als Erfahrung erkannt, dass der Mensch in seinem Leid nicht allein ist. Wenn wir auf die Gottesmutter schauen und uns an die Gnade erinnern, zu der uns der Herr beruft, wird auch unsere eigene Berufung klarer. In ihr hat sich bereits die Herrlichkeit der erneuerten menschlichen Natur offenbart – als Wirklichkeit, die in das Leben eingetreten ist. Und diese Herrlichkeit vergeht nicht, sondern gehört denen, die in Christus leben, die durch die Taufe in sein Leben eingetreten sind und es in sich wachsen lassen. Ihre Mutterschaft beschränkt sich nicht nur auf das, was einst geschah. Sie setzt sich fort in ihrer Beziehung zu jedem, der Gott sucht, der in der Kirche lebt. Darin liegt eine besondere Nähe, in der der Mensch erkennt, dass er nicht verlassen und nicht fremd ist.

Die heilige Kirche bewahrt ein klares Verständnis davon, wer die Gottesmutter ist. Sie hört nicht auf, Mensch zu sein, wird aber durch die Gnade über die gesamte Schöpfung erhoben. Ihr Weg zeigt, wie tief der Mensch in seiner Antwort auf Gott gehen kann. Ihre Demut ist nicht mit einem Bild von Macht oder Stärke verbunden; in ihr liegt eine Einfachheit und Ganzheit, in der der Mensch Geschöpf bleibt und zugleich Anteil am göttlichen Leben erhält. Und deshalb empfangen wir, wenn wir uns an sie wenden, das Wesentliche: Gott bleibt die Quelle allen Lebens und aller Herrlichkeit, und sie bleibt diejenige, durch die dieses Leben dem Menschen nahe und zugänglich geworden ist – und in der wir sehen, wozu auch wir berufen sind. Amen.

Nach Abschluss der Liturgie wandte sich Erzbischof Tichon mit einem Wort der Erbauung an die Betenden. Im Vorfeld der Vorbereitung auf das Fest der Heiligen Pascha wurden nach dem Gottesdienst wirtschaftliche Arbeiten auf dem Gelände der Diözesanverwaltung sowie Reinigungsarbeiten in der Kirche durchgeführt.