9. März 2026, am Fest der ersten (4. Jh.) und zweiten (5. Jh.) Auffindung des Hauptes des heiligen Johannes des Täufers, zelebrierte Erzbischof Tichon von Rusa, Leiter der Diözese von Berlin und Deutschland, die Liturgie der vorgeweihten Gaben in der Kirche des heiligen Sergius von Radonesch bei der Diözesanresidenz in Karlshorst (Berlin).

Am Vortag, 8. März, leitete Erzbischof Tichon den Polyeleos-Morgengottesdienst in der Christi-Auferstehungs-Kathedrale in Berlin.

Seiner Eminenz konzelebrierten bei dem Morgengottesdienst: Priester Maxim Judakow, Erzdiakon Archil Tschchikwadse und Diakon Konstantin Lotichius; bei der Liturgie: der Dekan des östlichen Bezirks, Erzpriester Georgij Antonjuk, Hieromönch Ilarion (Resnitschenko), Priester Oleg Beltek, Erzdiakon Vitalij Sadakov und Diakon Rostislav Ustimenko.

Nach dem Kommunionvers hielt Erzbischof Tichon eine Predigt:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Heute verherrlicht die Kirche Johannes, den Täufer des Herrn, und das erste sowie zweite Auffinden seines ehrwürdigen Hauptes. Wie könnte man in den Tagen der Fastenzeit nicht denjenigen verherrlichen, der sein ganzes Leben in großer Enthaltsamkeit verbrachte und der nach den Worten des Herrn selbst "der Größte unter den von Frauen Geborenen" ist(Mt 11,11)? Nach dem Tod seiner Eltern wurde die Wüste Judäas zu seinem Erzieher und Lehrer. Sie bereitete ihn auf einen besonderen Dienst vor. Als die Zeit gekommen war, wurde der Vorläufer durch die Stimme Gottes aus der Wüste gerufen, um die Herzen der Menschen vorzubereiten und ihnen das Erscheinen Christi des Erlösers in der Welt zu verkünden. Die Größe des Johannes liegt in seinem asketischen Leben und darin, dass er für die Wahrheit Gottes selbst bis zum Tod – durch die Enthauptung – einstand.

Was geschah nach seinem Märtyrertod? Nach der von der Kirche bewahrten Überlieferung wurde nach der Enthauptung des Propheten sein Leib von den Jüngern in Sebaste bestattet, während Herodias sein Haupt an einem unwürdigen Ort verbarg. Die fromme Johanna, die Frau des Chuza, des Verwalters des königlichen Hauses (Lk 8,3), nahm heimlich das heilige Haupt, legte es in ein Gefäß und begrub es auf dem Ölberg. Im 4. Jahrhundert, beim Bau einer Kirche, als ein Graben ausgehoben wurde, fand man das Gefäß mit dem ehrwürdigen Haupt Johannes des Täufers. Ein frommer Mann erkannte durch die Gnadenzeichen, die davon ausgingen, welche große Heiligtum gefunden worden war. So geschah die erste Auffindung des Hauptes. Vor seinem Tod verbarg dieser Mann es erneut an dem Ort, an dem er es gefunden hatte.

Die zweite Auffindung des ehrwürdigen Hauptes des Vorläufers geschah im 5. Jahrhundert. Zwei Mönchen, die zur Verehrung nach Jerusalem gekommen waren, erschien der Vorläufer selbst und offenbarte ihnen den Ort, an dem sein Haupt verborgen war. Doch wegen ihrer Trägheit und Nachlässigkeit verloren sie die gefundene Reliquie, und das Haupt gelangte in die Hände eines frommen Töpfers aus Syrien, der es in seinem Haus aufbewahrte. Danach wurde das ehrwürdige Haupt Johannes des Täufers von Christen weitergegeben und bewahrt, bis es schließlich in das Studionkloster nahe Konstantinopel gelangte. Im 9. Jahrhundert erfolgte die dritte Auffindung des Hauptes des Heiligen. Heute wird der vordere Teil in Amiens in Frankreich aufbewahrt, ein anderer Teil in Damaskus.

Aus der Heiligen Schrift wissen wir, dass Johannes der Vorläufer ein Prediger der Buße war. Nach der Lehre der heiligen Väter ist die Buße die Grundlage des christlichen Lebens. „Um an unseren Herrn Jesus Christus zu glauben“, lehrt der heilige Ignatius, „braucht man Buße; um in diesem rettenden Glauben zu bleiben, braucht man Buße; um darin Fortschritte zu machen, braucht man Buße; um das Himmelreich zu erben, braucht man Buße.“ Doch was ist Buße? Was bedeutet es, Buße zu tun? Nach den Worten der heiligen Väter bedeutet Buße eine Veränderung des sündigen Lebens hin zu einem gerechten und heiligen Leben. Oft geschieht es, dass wir einen Schritt nach vorn zur Besserung machen, aber nach einiger Zeit wieder zurückfallen. Wir bemerken in uns das Streben nach einem heiligen Leben, doch verwurzelte Leidenschaften und Gewohnheiten, mit denen wir uns verbunden haben, ziehen uns vom Weg des Heils auf den Weg des Verderbens.

Was sollen wir tun, wenn wir uns in der Gefangenschaft der Sünden befinden? Es gibt nur einen einzigen Ausweg: Buße zu tun. Wir müssen auf die Stimme Johannes des Vorläufers hören, der durch die Jahrhunderte laut verkündet: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe"(Mt 3,1–2). Die Buße reinigt von jeder Sünde und öffnet dem Menschen schon hier auf Erden die Tore des Reiches Gottes. „Die Tore des Reiches Gottes und die Tore der Buße sind ein und dieselben Tore“, sagte ein Asket. Wichtig ist zu wissen, dass wir diese bußfertige Haltung des Herzens durch unser ganzes Leben tragen müssen, bis wir durch die Tore der Ewigkeit eintreten. Die Gebote Gottes mögen uns eine Richtschnur zum Heil sein. Lasst uns Anstrengung aufbringen und Entschlossenheit zeigen, Brüder und Schwestern, um uns zu bessern und nicht mehr zur Sünde zurückzukehren. Durch die Gebete des heiligen Johannes des Vorläufers gewähre uns der Herr allen, in sein himmlisches Reich einzutreten. Amen.“

Nach dem Ende der Liturgie wurde eine Verherrlichung des heiligen Johannes des Vorläufers gefeiert: Der Erzbischof las ein Gebet, und der Chor sang das Lobgesang.