Geschichte unserer Kirche

Kirche des Hl. Sergius von Radonesch in Berlin

Die Geschichte der Gemeinde zu Ehren des heiligen Sergius von Radonesch im Berliner Stadtteil Karlshorst beginnt in den Nachkriegsjahren und ist eng mit dem Schicksal der Russisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland sowie dem Leben der russischen Emigration verbunden.

Im September 1950 wurde durch Beschluss des Heiligen Synods Bischof Boris (Wik) zum regierenden Hierarchen der Diözese von Berlin und Deutschland ernannt. Im März 1951, in der fünften Woche der Großen Fastenzeit, wurde die Diözesanverwaltung von Potsdam nach Berlin verlegt. Für das Bischofshaus wurde eine Villa in der Wildensteiner Str. 10 erworben. Am Lazarussamstag, dem 21. April 1951, weihte Bischof Boris in diesem Gebäude unter Mitwirkung der Berliner Geistlichen die Kirche zu Ehren des Hl. Sergius von Radonesch.

Ursprünglich hatte die Kirche den Status einer Kreuzkirche. Bis 1962 galt sie offiziell als Hauskirche des Bischofs, jedoch erlaubte Bischof Boris allen Gläubigen, die den Gottesdienst in der Kathedrale im Westteil Berlins nicht besuchen konnten, in ihr zu beten. Während seiner Leitung der Diözese von 1951 bis 1954 fanden die Gottesdienste an Samstagen, Sonntagen und an den zwölf Hochfesten des Kirchenjahres statt. Der Bischof zelebrierte häufig allein oder gemeinsam mit den Priestern Ioann Razumow und Viktor Kostin, den Erzpriestern Sergius Poloschenski, Michail Radziuk, Michail Sernow, Andrej Rastorgujew sowie dem Archimandriten Mstislaw (Wolonsewitsch), der 1953 wieder mit der Russischen Orthodoxen Kirche vereint wurde.

Im Herbst 1951 wurde Bischof Boris zum Erzbischof erhoben und zum kommissarischen Patriarchalischen Exarchen von Westeuropa ernannt. Im Sommer 1954 wurde er auf den Bischofssitz von Jaroslaw versetzt und verließ Berlin. Nach seiner Abreise fanden in der Sergius-Kirche von Herbst 1954 bis September 1958 Gottesdienste nur selten und unregelmäßig statt.

Ab Herbst 1958 begann das kirchliche Leben allmählich wieder aufzuflammen, nachdem Erzpriester Michail Sernow zum Dekan der Diözese von Berlin und Deutschland ernannt wurde. Zum vorläufigen Gemeindevorsteher wurde Erzpriester Michail Warschanski ernannt (später Erzbischof Antonius von Wilna und Litauen). In dieser Zeit begann sich ein stabiler Gemeindekern herauszubilden, der hauptsächlich aus Emigranten der ersten Welle und deren Nachkommen bestand.

Eine besondere Rolle bei der Organisation des Gemeindelebens spielte Larissa Timofejewna Pomogajbo. Sie stammte aus einer Familie eines russischen Soldaten, der während des Bürgerkriegs nach Bulgarien emigrierte, und durchlief einen schweren Lebensweg über Frankreich, Zwangsarbeit in Deutschland während des Zweiten Weltkriegs und den Nachkriegsdienst als Übersetzerin. Ab 1951 gehörte sie zu den aktivsten Gemeindemitgliedern der Kirche und blieb bis zu ihrem Tod ununterbrochen Kirchenälteste. Ihr Ehemann Nikolai Pomogajbo gründete einen kleinen Kirchenchor und übernahm den Dienst als Küster.

Zu den ältesten Mitgliedern der Gemeinde gehörte die Familie Nikolenko. Olimpiada Nikolenko sang im Chor und las die Stundengebete sowie das Sechspsalmengebet. Ihr Sohn Nikolai war Subdiakon von Erzbischof Boris und bewahrte zeitlebens die Traditionen liturgischer Schönheit. Aktiv am Gemeindeleben beteiligt war auch Galina Anatoljewna Pazanowskaja, die in einem orthodoxen Umfeld in Belgrad aufwuchs und die Deportation nach Deutschland überlebte. Die musikalische Seite des Gemeindelebens unterstützte Zoya Wladimirowna Gribkowa, Tochter des Priesters Anatoli Gribkow.

Trotz der Entstehung einer Gemeinde mangelte es bis Anfang der 1960er Jahre an festem Klerus. Eine Wende trat 1960 ein, als Bischof Ioann (Vendland) nach Berlin kam, der vom Patriarchalischen Exarchen für Mitteleuropa ernannt worden war. 1961 wurde er zum Erzbischof erhoben. Mit besonderer Sorge um die Sergius-Kirche weihte Erzbischof Ioann den Diakon Anatoli Gribkow zum Priester und ernannte ihn zum Gemeindevorsteher.

Im Jahr 1961 wurde das Gemeindeleben eng mit den Ereignissen der Berliner Krise und dem Bau der Berliner Mauer verknüpft. Nach der Grenzschließung verloren die orthodoxen Gläubigen Ost-Berlins die Möglichkeit, die Kirchen im Westteil der Stadt frei zu besuchen. Unter diesen Umständen wurde die Sergius-Kirche zur einzigen russisch-orthodoxen Kirche in Ost-Berlin und erlangte faktisch den Status einer vollwertigen Gemeinde.

Erzbischof Ioann bemühte sich sehr um die Stärkung der Gemeinde, wurde jedoch im Juni 1962 auf den nordamerikanischen Bischofssitz berufen und verließ Berlin. Trotz der Kürze seines Wirkens hinterließ er dankbare Erinnerung als Hirtenvater, der wissenschaftliches Denken, theologische Tiefe und pastorale Fürsorge miteinander verband.

In den 1960er–1970er Jahren hatten die Berliner Bischofskirche Erzbischof Sergius (Larin), Kiprian (Sernow) und Ionafan (Kopolowitsch) inne, deren Amtszeiten jedoch relativ kurz waren. In dieser Zeit bewahrte die Gemeinde ihre Stabilität und die Kontinuität ihrer Traditionen.

Besondere Bedeutung hatte die Amtszeit von Metropolit Filaret (Wachromejew) von 1973 bis 1978. In diesen Jahren wurden die ökumenischen und friedensfördernden Kontakte aktiv ausgebaut, und in der Sergius-Kirche fanden feierliche Gottesdienste in Anwesenheit hoher Gäste statt.

In verschiedenen Jahren beteten in der Kirche und hielten Gottesdienste viele Hierarchen der Russischen Orthodoxen Kirche ab, darunter auch der spätere Patriarch.
Alexij II. und der derzeitige Patriarch
Kirill sowie die Metropoliten Nikolaj (Jaruschewitsch), Nikodim (Rotow), Juvenalij (Pojarkow) und der Erzbischof Longin (Talypin).

In den folgenden Jahren waren die Priester Anatolij Gribkow sowie anschließend die Erzpriester Michail Turschin, Wassilij Fonchenko und Gennadij Jablonskij Vorsteher der Kirche. Es entstand eine Tradition, nach der die Vorsteher zugleich als Chefredakteure der Zeitschrift „Stimme der Orthodoxie“ fungierten, die seit 1952 auf Initiative von Erzbischof Boris herausgegeben wurde.

1987 wurde Erzpriester Wladimir Iwanow zum Vorsteher ernannt. In dieser Zeit festigte sich die Choraltradition unter der Leitung von Matthias Wilke – Orchestermusiker der Berliner Oper und Kenner der russischen Kirchenmusik.

Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 und der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 gab es in der Gemeinde bedeutende Veränderungen. Die Kirche erhielt neue Gemeindemitglieder aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion sowie Studenten aus Russland. Dies verlieh dem Gemeindeleben eine neue Dynamik.

Unter Erzbischof Feofan (Galinskij) entwickelte sich seit den frühen 1990er Jahren die Jugend- und Bildungsarbeit aktiv. Ein Gemeindesaal wurde eingerichtet, eine Bibliothek geschaffen, Kreise, Gesprächsrunden, katechetische Unterrichtsstunden sowie eine Kindersonntagsschule organisiert. Die Jugendgruppe unter der Leitung von Olga Köhler und Igor Lukovenko leistete einen großen Beitrag zur Verschönerung der Gemeinderäume.

1995 besuchte Seine Heiligkeit Patriarch Alexij II. die Kirche im Rahmen eines pastoralen Besuchs in Deutschland. Er hielt ein feierliches Gebet und überreichte kirchliche Auszeichnungen an den Vorsteher sowie an verdiente Gemeindemitglieder.

Im April 2001 wurde feierlich das 50-jährige Jubiläum der Kirchenweihung begangen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Gemeinde zu einer multinationalen orthodoxen Gemeinschaft entwickelt, die über hundert Gläubige vereinte.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts begann ein Generationswechsel. 2012 verstarben Larisa Timofejewna Pomogajbo sowie mehrere andere ältere Gemeindemitglieder. Zu Gott ging Nikolaj Nikolajewitsch Malinowski, das Patenkind des heiligen gerechten Johannes von Kronstadt, der viele Jahre der Bewahrung der vorkaiserlichen Frömmigkeitstraditionen gewidmet hatte. Er wurde auf dem russischen Friedhof in Tegel beigesetzt, und die Gemeindemitglieder kümmern sich weiterhin um sein Grab sowie um die Gräber anderer verstorbener Gemeindemitglieder.

Im Jahr 2017 erlebte die Gemeinde mit tiefer Trauer das Ableben von Erzbischof Feofan. Im Dezember desselben Jahres wurde Bischof Tichon zum leitenden Hierarchen der Diözese von Berlin und Deutschland ernannt. Seit seiner Ankunft zeigt er stetige Fürsorge für die Sergius-Kirche, hält regelmäßig Gottesdienste ab und unterstützt die Gemeindemitglieder.

In den Jahren 2020–2021, während der globalen Pandemie, unternahm Erzbischof Tichon besondere Anstrengungen, um das liturgische Leben und die geistige Einheit der Gemeinde zu bewahren, wobei er die Schwierigkeiten der erzwungenen Quarantäne mit den Gläubigen teilte.

So hat die Sergius-Kirche in Karlshorst im Laufe von über siebzig Jahren den Weg von einer kleinen Hauskirche der russischen Emigration zu einer reifen multinationalen Gemeinde zurückgelegt. Ihre Geschichte ist ein Zeugnis der Treue zur orthodoxen Tradition, des geistlichen Einsatzes von Klerus und Laien sowie der lebendigen Weitergabe von Generation zu Generation. Die Geschichte der Kirche geht weiter.

Работы по благоукрашению храма в 2025 году

По благословению и трудами правящего архиерея и настоятеля храма архиепископа Тихона в течение года на приходе велись плановые и необходимые ремонтные работы, направленные на благоукрашение храма и поддержание его достойного состояния. Были заменены окна как в алтарной части, так и в основном помещении храма, заменена входная дверь, что значительно улучшило теплоизоляцию и общий внешний вид. В алтаре обновили мебель, что позволило организовать пространство более аккуратно и функционально. Проведена реставрация и обновление ряда икон, благодаря чему они вновь обрели первоначальную яркость и выразительность. Кроме того, выполнена покраска стен, освежившая интерьер и создавшая более светлую и молитвенную атмосферу в храме.

Фотоархив

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